Shrub – sauer erfrischt

Die überraschendste Entdeckung dieses Sommers war für mich der selbstgemachte Shrub, ein essiggesäuerter Fruchtsirup. Jaaaa, Getränke mit Essig kann man durchaus trinken und genießen! Einfach mal ausprobieren, bitte.

Die schnelle Variante begegnete mir hier. Ich habe das Rezept gelesen und hatte sofort einen „Aha“-Effekt: Selbstgemachte Limonaden sind ja auch je nach Zubereitungsart eher süß und sauer, aber etwas einseitig im Geschmack – Zitrone, Limette, Orange und allenfalls noch Gewürze. Das wars dann.
Also: frische, sehr reife Früchte mit Essig und Zucker aufkochen, durch das Sieb streichen, fertig. Nach dem Erkalten im Kühlschrank aufbewahren und zum Trinken einen Schuß davon mit Eiswürfeln und kaltem Mineralwasser aufgießen. Herrlich!
Ein Shrub kann mit praktisch jeder Frucht hergestellt werden. Zwar ist der Essig je nach verwendeter Menge deutlich zu schmecken, aber er dominiert nicht. Das verarbeitete Obst bestimmt den Geschmack.

Die süßsaure Note des Shrubs löscht den Durst eines heißen Sommertages gründlich und ist auch geschmacklich einfach mal was eine schöne Abwechslung. Er ist unkompliziert herzustellen (Kurzanleitung hier) und so variantenreich wie unser Obstangebot.

Shrubs schmecken so gut, dass ich angefangen habe, mich zu wundern, warum sie hier praktisch unbekannt sind. Ich kann es mir nicht komplett erklären, aber die etymologische Spurensuche hilft ein wenig weiter:

Der Name „Shrub“ kommt etwas sperrig daher; diese englische Bezeichnung ist eine Ableitung aus dem arabischen „sharab“ (trinken/Trunk). Eine gebräuchliche deutsche Vokabel für diese Variante des Sirups habe ich noch nicht gefunden, aber eben – auch das Wort Sirup leitet sich ab von „sharab“.

Ich habe vorhin schon die schnelle Variante eines Shrubs erwähnt und beschrieben, wie einfach die Herstellung ist. Es ist toll, praktisch in einer halben Stunde ein spritziges Sommergetränk zur Verfügung zu haben.
Ursprünglich war die Idee jedoch, die Früchte für längere Zeit haltbar zu machen. Neben der Marmelade und dem Kompott, sowie einfach nur süßer Sirups, entwickelte sich in England die Methode mit Essig, um Sommerfrüchte haltbar zu machen. Oder jedenfalls, ihr Aroma. Denn nach den gängigen Rezepten werden die Früchte zwar für eine gewisse Zeit in Essig eingelegt. Dann wird aber nur der Essig mit Zucker aufgekocht und abgefüllt. Für die Früchte gibt es dann andere Verwendungsmöglichkeiten. Man kann diese Sirups bedenkenlos ungekühlt im Regal lagern.

Eine ausführliche, gut verständliche, und auch appertianregende Beschreibung, wie das geht, habe ich bei kochtrotz.de gefunden, mit sehr schönen Bildern dabei.

Weiter in der Geschichte: von England wurden die Shrubs in die neuen Kolonien mitgenommen und verbreiteten sich dort. Während in England durchaus auch alkoholhaltige Varianten des Shrubs getrunken wurden, entwickelte sich der Shrub in Kanada und den späteren USA zum überwiegend alkoholfreien Genuß, weil die dortige Abstinenzbewegung ein starkes Interesse an interessanten alkoholfreien Getränken hatte und auch verbreiten wollte.
Leider fehlt mir noch ein altes Kochbuch aus England oder den „Kolonien“, aber das Transskript eines Rezeptes einer Hausfrau in Galt, Ontario, aus dem Jahr 1898 haben kanadische Küchenhistoriker ins Netz gestellt. Man sieht, an der Herstellungsweise hat sich nicht viel geändert.

inzwischen haben angesagte Bars den Shrub als Zutat hochwertiger Cocktails entdeckt, und damit schwappt eine noch kleine Welle des Interesses zurück auf den Alten Kontinent und in hiesige Haushalte.

In meinem nächsten Beitrag werde ich ausführlicher auf Rezepte und die Auswahl der Zutaten eingehen.

Bis dahin – viel Spaß beim Ausprobieren!

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