Kartoffeln auf dem Balkon

Seit Jahren genieße ich meine 5 m² – Terrasse über einem mittelalterlichen Innenhof in der Stadt. Der Vormieter hat mir freundlicherweise eine Konstruktion überlassen, auf der ich an der Dachschräge des Hinterhauses gut und gerne 20 Blumentöpfe mittlerer Größe aufstellen kann.

Kräuter habe ich schon immer hier gehabt. Dazu ein paar wenige Zierpflanzen und Versuche in Tomaten, die mehr oder weniger erfolgreich waren.

 

Das Thema urbanes Gärtnern begleitet mich also schon eine ganze Weile, auch als es noch nicht so genannt wurde und auch noch nicht in den Medien präsent war. Das hat sich geändert. Den Anfang machte die „Zeit“ vor ein paar Jahren mit ihrem Dachgarten-Versuch und Rezepten mit Zutaten aus der Umgebung des Hauptstadtbüros fürs Zeit-Magazin. Inzwischen findet sich in Printmedien und im Netz regelmäßig und reichlich etwas zu dem Thema.

Ganz sicher kann man mit einem kleinen Stadtgarten auf dem Balkon nicht zum Selbsversorger werden, aber nach ein paar Saisons zum Ausprobieren kristallisiert sich schon raus, was man gerne direkt vor der Tür auf frisch und kleinem Raum ernten möchte.

Dieses Frühjahr bin ich also etwas wagemutiger geworden. Eine Freundin hatte mir erzählt, dass sie trotz eines großen Gartens Salat in Blumenkästen gepflanzt habe, und so auf dem Balkon den ganzen Sommer über geerntet hat. Also habe ich einen 90-cm-Kasten Samenbänder mit Bio-Zupfsalat versehen, und an einem Ende noch Radieschen. Die mögen anscheinend Wasser, denn in der regenreichen Zeit im April konnte ich beim Wachsen zusehen.

 

Bekanntlich gibt es ja keine Zufälle, und so begegnete mit die Idee, auf geringem Raum Kartoffeln auf dem Balkon zu ziehen gleich mehrfach. Die Idee ist, die Kartoffeln in ein wenig Erde in einem schmalen, aber hohen Behältnis zu pflanzen, und immer dann Erde nachzulegen, wenn die Pflänzchen den Kopf ein paar Zentimeter aus ebendieser Erde stecken. So strecken sich die Pflanzen nach dem Licht und werden immer länger. Unter der Erde bilden sie mehr Kartoffeln, als in einem niedrigen Topf. Das soll gut funktionieren bis zur Höhe von ungefähr 80 Zentimeter, dann gibt wohl auch die ambitionierteste Kartoffelpflanze auf.

Von einer Kollegin mit einem ersten hilfreichen Link versorgt, und von einer Bekannten auf die Idee gebracht, das Ganze mit einfachsten Mitteln zu versuchen, recherchierte ich noch ein bisschen. Und beim Kauf der Radieschensamen kam ich mit der Verkäuferin ins Gespräch, die mir erzählte, dass Kartoffeln unter widrigsten Umständen gedeihen können. Sie hatte mal im Keller Kartoffeln im Netz aufgehängt und stellte nach ein paar Monaten fest, dass sich die Kartoffeln aus sich selbst heraus, ohne Erde, Licht oder Wasser, in diesem Netz vermehrt hatten.

Das gibt mir doch die Zuversicht, dass mein erster Versuch gelingen wird.

Die feste Variante eines hohen Blumentopfes oder einer Tonne lag mir nicht so, denn ich hatte die Befürchtung, dass an besonders heißen Tagen in der direkten Sonne die Pflanzen in der Tonne zuviel Hitze abbekommen würden und vielleicht eingehen würden. Also begann ich, mich nach Pflanzsäcken, die man mittlerweile sehr preiswert erhält, umzusehen. Die kann man umkrempeln wie Socken, sodass immer nur ein etwa 10 cm hoher Rand steht.

 

Letztlich bin ich dank einer Freundin bei der Umsonst-Variante gelandet – bei leeren Reissäcken vom Asiashop, die dort im Müll landen.01_1_reissack

Heute habe ich also den Anfang gemacht. Die – übrigens lebensmittelechten – Säcke sind grobmaschig und zerfransen an der Stelle, an der sie mit dem Messer aufgeschnitten werden. Die Kanten habe ich mit dem Feuerzeug anschmelzen lassen, damit die losen Enden zusammenbacken.

Dann habe ich den Sack aufgerollt, in einen großen Blumenuntersetzer gestellt, und ca. 10 cm hoch mit Erde befüllt. Auf eine Drainage aus Kieseln habe ich, rein aus einem Gefühl heraus, verzichtet. Im Netz wird diese Frage kontrovers diskutiert. Die Reissäcke sind durchlässig und verlieren immer etwas Feuchtigkeit. Darauf sollte man beim Gießen achten, aber es ersetzt die Drainage ganz gut.

05-1_kartoffeln pflanzen

Zu den Kartoffeln: hier ist oft die Rede von Saatkartoffeln. Saatkartoffeln gibt es nur aus einem einzigen Grund: Die Kartoffeln, die wir zum Verzehr kaufen, sind in der Regel begast, damit sie nicht keimen. Nicht begaste Kartoffeln müssen deshalb kühl und dunkel aufbewahrt werden. Genau solche Kartoffeln mit schon etwas 2 cm Keimlänge habe ich in die vorbereitete Erde gesteckt und gut gegossen.

 

Und nun harre ich der Dinge, die da kommen 😉

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